JAGUAR UND DAS „SCHRECKGESPENST DER WOKENESS“: NEUES E-AUTO KOMMT ERST 2026

Premiere verzögert sich

Jaguar und das „Schreckgespenst der Wokeness“: Neues E-Auto kommt erst 2026

Trotz Widerstand will Jaguar mit seinem neuen E-Auto-Modell Maßstäbe setzen. Doch nun vertröstet der Markenchef auf 2026 – und spricht über die Kritik.

Coventry/München – Die Traditionsmarke Jaguar, einst berühmt für elegante Sportwagen und luxuriöse Limousinen, befindet sich in einem grundlegenden Wandel. Seit einigen Jahren richtet der britische Hersteller den Blick verstärkt auf Elektromobilität und Nachhaltigkeit – eine Transformation, welche die Technik, aber auch das Markenbild verändert.

Mit dem Type 00, einer viertürigen Elektroauto-Neuheit, schlägt Jaguar das nächste Kapitel seiner Geschichte auf. Das Serienmodell einer bisherigen Konzeptstudie soll der Debütant einer neuen Generation werden, die Jaguar als reine Elektromarke etabliert. Die Ansprüche auf dem Weg dorthin sind hoch, der Weg jedoch steinig.

Jaguar plant Modell Type 00: E-Auto als Symbol für den Neustart

Die Einführung des Jaguar Type 00 EV markiert einen Meilenstein in der Strategie „Reimagine“, die 2021 zum Leben erweckt wurde. Ziel ist es, Jaguar Cars zu einer rein elektrischen Premium- und Luxusmarke zu machen. Das neue Modell steht dabei im Mittelpunkt: ein sportlicher, aber geräumiger „Grand Tourer“, mit auffälligem Design und modernster Technik.

Präsentationen auf der Miami Art Week 2024 und der Pariser Fashion Show 2025 machten deutlich, dass Jaguar neue Wege geht. Jedoch sorgte das Fahrzeug sowie die ganze Kampagne für Gesprächsstoff: eine langgestreckte Silhouette, breite hintere Kotflügel und eine coupéartige Dachlinie – alles auf einer Elektroplattform – waren die eine Sache. Dazu kam jedoch eine Hochglanz-Werbekampagne mit leuchtenden Farben und diversen Laufstegmodels. Zuletzt sorgte auch das Rebranding des Markenlogos für Ärger bei eingefleischten Fans.

Wirbel um Jaguar Type 00 – Chef zieht Parallelen zu legendärem Modell

Im Netz erzeugten diese Maßnahmen sogar einen regelrechten Shitstorm: Das auffällige, (zunächst) pinkfarbene Konzeptauto und die Werbekampagne spalteten die Meinungen. Manche sprachen gar von einem „Schreckgespenst der Wokeness“, auch Tesla-Chef Elon Musk schlug auf seinem Netzwerk X in diese Richtung. Der Aktienkurs von Jaguar Cars rauschte umgehend in die Tiefe.

In einem Interview mit ABC News nahm nun Geschäftsführer Rawdon Glover Stellung zur Kritik, die auf die britische Tochter des indischen Tata-Konzerns herabprasselte: „Wir wussten, dass wir eine mutige Veränderung, einen mutigen Schritt wagen mussten“, schildert der Manager – und es sei „in Ordnung, polarisierend zu sein.“ Darüber hinaus gäbe es Parallelen zu einem legendären Jaguar-Modell: „Als der E-Type in den 1960er-Jahren in Genf vorgestellt wurde, wirkte er, als käme er vom Mars.“

Jaguar-Technik und Plattform: Neue JEA-Architektur im Einsatz

Technisch setzt Jaguar beim Type 00 auf die neue Jaguar Electric Architecture (JEA), eine modulare Plattform, die exklusiv für die kommenden Modelle der Marke entwickelt wurde. Mindestens drei neue Fahrzeuge sollen auf dieser Basis entstehen: Der Type 00 macht 2026 den Anfang, gefolgt von einem sportlichen SUV und einem Crossover.

Prototypen des Debütanten befinden sich seit längerem im Testbetrieb. Erlkönig-Fotos zeigen die markante Form des neuen Edel-Stromers, der für viel Aufregung sorgte. Zehntausende reale und virtuelle Testkilometer sind laut Hersteller bereits absolviert. Offizielle Leistungsdaten gibt es noch nicht, doch intern gilt der Type 00 als das stärkste Serienmodell der Markengeschichte.

Jaguar Land Rover: Cyberangriffe, Verzögerung und Marktstrategie

Jaguar-Fans müssen sich noch ein Weilchen gedulden, wie Glover ebenfalls mitteilte: Die Markteinführung des Type 00 war ursprünglich für Ende 2025 geplant, nun wird sie erst 2026 stattfinden. Der Gegenwind soll damit jedoch nichts zu tun haben. Ein Grund dafür sei der Cyberangriff auf Jaguar Land Rover, der jüngst die Produktion und IT-Systeme lahmlegte.

Trotz wirtschaftspolitischer Unsicherheiten sieht der Jaguar-Chef in den USA das größte Absatzpotenzial. „Wenn ich an Jaguars Blütezeit zurückdenke, als Jaguar am erfolgreichsten war, waren die USA unser größter Markt“, erklärt Glover. Obwohl Jaguar Cars in Übersee keine eigene Produktionsstätte hat, bleibt der US-Markt für den Autobauer trotz Importzölle von zentraler Bedeutung.

Neuer Elektro-Jaguar nimmt Porsche, Mercedes und Co. ins Visier

Mit der 2021 eingeleiteten Strategie „Reimagine“ und dem kontroversen Type 00 plant Jaguar also eine Interpretation von Tradition und Innovation. Geschäftsführer Glover erklärt, „der Jaguar des 21. Jahrhunderts sollte keine Kopie von irgendetwas sein.“

Mit einem mutmaßlichen Einstiegspreis von rund 100.000 Pfund (etwa 116.000 Euro) positioniert sich das spätere Serienmodell im Premium- bis Luxussegment. Damit würde man es nach Angaben der Auto Motor und Sport künftig mit Konkurrenten wie dem Porsche Taycan, Audi E-Tron GT, BMW i7 oder auch dem kommenden Mercedes-AMG GT XX aufnehmen. (PF)

2025-11-07T20:19:47Z