TESTFAHRT IM SUZUKI E VITARA: WAS DAS SUV KANN – UND WAS NICHT

Suzuki bringt im Frühjahr 2026 das erste eigene Elektroauto: den e Vitara. Wir haben dem preiswerten Ableger des Verbrenner-Modells vorab auf den Zahn gefühlt. Das verrät unsere Testfahrt!

Suzuki e Vitara mit Seltenheitswert: Golf-Format und E-Allrad

Der Morgen im Harz ist still. Ein dünner Schleier liegt über den Fichten, die Straße glänzt noch vom Nachtfrost, und irgendwo hinter den Hügeln kämpft sich die Sonne durch den Dunst. Es ist genau die Art von Landschaft, in der man traditionell einen Jimny oder einen alten Vitara erwarten würde – kantig, allradbewährt, bereit für Schotter und Serpentinen.

Und nun steht hier der Suzuki e Vitara für unsere Testfahrt. Elektrisch, leise – fast so, als wolle er die friedliche Stille nicht durchbrechen. Das erste Elektroauto von Suzuki. Und doch mit einem Versprechen, das tief in der Marken-DNA verankert ist: Allradantrieb.

Wichtig vorweg: Der e Vitara soll den Verbrenner nicht ersetzen. Beide laufen parallel. Suzuki verabschiedet sich also nicht von seinen klassischen Tugenden, sondern ergänzt sie um eine elektrische Variante im C‑Segment. Mit knapp 4,28 m Länge – Golf‑Format – passt der e Vitara genau in die Klasse der kompakten Allrounder. Und er tut das mit einem der stärksten Argumente dieser Tage: dem Preis.

Der Einstieg liegt bei 29.990 Euro. Kein Alleinstellungsmerkmal mehr, denn auch Opel mit dem Frontera Electric oder dem technisch verwandten ë‑C3 Aircross von Citroën unterbieten inzwischen die magische 30.000-Euro‑Marke im C-Segment. Doch einen elektrischen Allradantrieb sucht man dort vergeblich. Beim Suzuki gibt es ihn – wenn auch mit kräftigem Aufpreis. Fast 10.000 Euro trennen Basis und Allrad, dafür gibt es dann Leistung und Traktion, die in diesem Segment Seltenheitswert haben.

Schon das Basismodell startet mit 106 kW (144 PS), kombiniert mit einer 49‑kWh‑Batterie. Bis zu 345 km Reichweite sind damit möglich. Darüber rangiert die größere 61‑kWh‑Batterie, wahlweise mit Front- oder Allradantrieb. In der Top‑Ausstattung landet man schließlich bei knapp 43.000 Euro (Alle Preise: Stand Januar 2026) – viel Geld, aber auch ein ungewöhnliches Paket und dank der neuen E-Auto-Prämie umso attraktiver.

Testfahrt im Suzuki e Vitara: Zwischen Komfort und Kurven

Wir fahren den Suzuki e Vitara mit 61‑kWh‑Akku und 128 kW (174 PS) – frontgetrieben. Bei der Testfahrt auf den Landstraßen rund um Clausthal-Zellerfeld wird sofort klar: langsam ist dieser Suzuki nicht. Der Antritt ist kräftig, spontan, elektrisch souverän. In 8,7 s geht es von 0 auf 100 km/h, und genau so fühlt es sich auch an. Nicht sportlich im klassischen Sinne, aber lebendig genug, um ein Grinsen ins Gesicht zu zaubern.

Die Harzer Serpentinen kommen wie gerufen. Das Fahrwerk ist klar auf Komfort ausgelegt, bügelt Frostaufbrüche und Querrillen gelassen weg. Und doch: Selbst ein paar zügige Kurvenkombinationen steckt der e Vitara erstaunlich spaßbringend weg. Kein Kurvenräuber, aber ein ehrlicher Begleiter, der mehr kann, als man ihm ansieht.

Interieur: Pragmatisch und überraschend modern

Optisch ist er ohnehin eher der Sympathieträger. Niedlich, fast freundlich steht er da, mit klaren Linien und einer Portion Understatement. Innen setzt sich dieser Eindruck fort. Viel Hartplastik, ja – aber interessante Oberflächen, sauber verarbeitet und überraschend modern inszeniert. Das digitale Kombiinstrument und das große Infotainment-Display geben dem Innenraum eine zeitgemäße Anmutung.

Was bei unserer Testfahrt im winterlichen Harz allerdings sofort auffällt: Sitz- und Lenkradheizung lassen sich beim Suzuki e Vitara ausschließlich über den Touchscreen aktivieren – hier wären klassische Tasten eindeutig die bessere Wahl gewesen. Warme Hände und ein warmer Rücken bleiben zudem den höheren Ausstattungslinien vorbehalten. Immerhin lässt sich die induktive Ladeschale bereits in der Basis konfigurieren.

Im Fond kann es eng werden: Mit 1,80 m Körpergröße ist die Grenze erreicht, zumindest was die Kopffreiheit angeht. Die Beinfreiheit ist dank des 2,7 m langen Radstands ordentlich, die Beinauflagefläche aber eher mäßig. Praktisch: Die Rückbank lässt sich variabel verschieben. Entweder mehr Platz für Fahrgäste oder mehr Raum fürs Gepäck. So wächst der Kofferraum von 244 auf bis zu 310 l. Mit umgeklappter Rückbank und Beladung bis unters Dach passen rund 1000 l hinein – genug für die Wanderausrüstung oder das kleine Abenteuer im Mittelgebirge.

Apple CarPlay und Android Auto sind serienmäßig an Bord, ebenso eine Wärmepumpe. Die obligatorische Tempolimit-Warnung lässt sich im Suzuki e Vitara zwar nicht deaktivieren, fällt aber erfreulich moderat aus und verzichtet darauf, schon beim ersten übertretenen km/h penetrant zu ermahnen.

Auf der Autobahn zeigt der Suzuki e Vitara eine andere Seite: Bis 150 km/h läuft alles entspannt, dann greift der elektronische Riegel. Bergab, mit Rückenwind zeigt der Tacho kurz etwas über 160 km/h – mehr geht nicht. Aber ehrlich: Für einen kompakten Elektro‑Allrounder, der kein Langstreckenauto sein will, reicht das im Alltag völlig aus.

Ladeleistung ist der größte Schwachpunkt

Die Langstrecke fördert die größte Schwäche zu Tage: das Laden. Die kleine Batterie nimmt maximal 55 kW auf, die große etwa 70 kW. Eine Ladung von zehn auf 80 Prozent kann 45 min dauern. Nach heutigem Maßstab ist das nicht mehr zeitgemäß – selbst ein Opel Frontera Electric lädt mit bis zu 100 kW. Wer dennoch viel Langstrecke fährt, wird hier Geduld brauchen.

Wer dagegen zu Hause an der Wallbox lädt und sich überwiegend im urbanen Raum bewegt, für den relativiert sich das Problem schnell. Über Nacht voll, am Morgen bereit – und die Winterreichweite ist erfreulich ehrlich. Was der Bordcomputer bei unserer Testfahrt anzeigt, lässt sich in der Praxis meist auch fahren. Natürlich mit Abstrichen bei Kälte, aber ohne böse Überraschungen, wie bei manch anderem Auto. Bis zu 428 km sollen in der frontangetriebenen Long Range Variante möglich sein.

Zur Routen- und Ladeplanung: Für Suzukis erstes Elektroauto funktioniert sie ausreichend gut. Ladesäulen werden sinnvoll entlang der Strecke vorgeschlagen. So lassen sich unnötige Stopps vermeiden. Eine klassische State of Charge-Angabe (SoC) bei Ankunft gibt es zwar nicht, doch für den Einsatzzweck dieses Autos reicht das System vollkommen aus.

Günstigster Allrad im Segment

Nach der Autobahn- und Landstraßenetappe geht es bei unserer Testfahrt ins Gelände: in der allradgetriebenen Variante. Und genau hier spielt der Suzuki e Vitara seine Herkunft aus. Denn Suzuki bringt Features mit, die in diesem Segment alles andere als selbstverständlich sind – für die Marke aber fast schon Tradition.

Herzstück ist der sogenannte Trail-Modus. Er verteilt das Drehmoment gezielt zwischen den Rädern und greift ein, sobald eines durchzudrehen beginnt. Die Kraft wird dann auf das gegenüberliegende Rad gelenkt – ein einfaches, aber wirkungsvolles Prinzip, um sich nicht festzufahren. Hinzu kommt eine Bergabfahrhilfe, die auf steilen Passagen automatisch die Geschwindigkeit kontrolliert und die Person am Steuer spürbar entlastet. Der Allradantrieb bleibt permanent aktiv – die Hinterachse wird zu keinem Zeitpunkt ausgekoppelt. Ein Detail, das man spürt, sobald der Untergrund rutschig wird.

Mit 18 cm Bodenfreiheit setzt der Suzuki e Vitara auch im unebenen Gelände nicht sofort auf und die kurzen Überhänge bleiben nicht so schnell an Hügeln hängen. Beplankte Schweller und Radkästen schützen den Lack vor Kratzern, wenn Äste oder vereiste Schneekanten zu nah kommen. Und so arbeitet sich der kleine Elektro-Suzuki erstaunlich souverän durch verschneite Waldwege und matschige Feldpassagen. Kein Hardcore-Offroader, gewiss nicht – aber ein ehrlicher Allradler, der seine Grenzen später erreicht als seine elektrischen Konkurrenten.

Fazit

Technische Daten des Suzuki e Vitara

2026-01-25T05:13:06Z