KüNSTLICHER SOUND VON ELEKTROAUTOS: EU WILL NEUE REGELN SCHAFFEN

Die EU diskutiert derzeit laut der TAZ, ob es künftig offiziell erlaubt sein soll, Elektroautos mit Lautsprechern auszustatten, die Geräusche von Verbrennungsmotoren simulieren. Holger Siegel vom Bundesverband gegen Motorradlärm warnt, dass dadurch „das zweite Hauptversprechen der Elektromobilität“ auf der Kippe stehe.

In der EU gibt es bereits das Acoustic Vehicle Alerting System (AVAS), das seit einigen Jahren vorschreibt, dass elektrische Fahrzeuge bei niedrigen Geschwindigkeiten Geräusche zur Warnung abgeben müssen. Einige Automobilhersteller gehen weiter und bieten zusätzliche Systeme - etwa Porsche, das mit seinen Elektroautos gezielt „wohlklingende, emotionale und zum Fahrzustand passende Geräusche“ erzeugt.

Der „Porsche Electric Sport Sound“ soll laut dem Sportwagenbauer die „akustische Visitenkarte“ des Elektroautos darstellen und „den fahrzeugeigenen Antriebssound noch emotionaler und satter klingen lassen“. Mercedes-AMG verfolgt eine ähnliche Strategie und erklärt, dass es sein Ziel sei, „einen markanten Sound zu kreieren, der die Charakteristik des Fahrzeugs unterstreicht und einen Wiedererkennungswert hat“.

Bisher existieren keine speziellen Regelungen zur Geräuschentwicklung von Elektroautos. Da diese von Natur aus leiser sind als Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor, gab es bislang keine Notwendigkeit für gesetzliche Vorgaben. Dies nutzen Hersteller aus: „Die Hersteller dürfen heute Elektroautos verkaufen, die die Geräuschkulisse eines V8-Motors nachahmen“, so Lars Schade vom Umweltbundesamt (UBA) gegenüber der TAZ. Im Jahr 2024 schlug der Welt-Autoherstellerverband OICA vor, Elektroautos das Recht zu geben, Motorengeräusche simulieren zu dürfen, was derzeit laut dem Bericht auch von der Wirtschaftskommission der UN für Europa (UNECE) verhandelt wird.

Die EU-Kommission sowie mehrere Mitgliedstaaten sind demnach gegen eine solche Regelung und möchten eine Außenbeschallung durch Elektrofahrzeuge nur dann zulassen, wenn sie der Sicherheit dient. Doch die Autolobby ist in der UNECE stark vertreten. Falls die Vorschläge durchgesetzt werden, könnten Elektroautos künftig offiziell mit einem sogenannten Exterior Sound Enhancement System (ESES) ausgestattet werden. Diese Systeme könnten dann eine Vielzahl von Geräuschen simulieren – von Motorenklängen bis zu Sportwagen-Sounds.

Ein kleines Zugeständnis für Kritiker: Sollte ein Fahrzeug mit einem solchen System ausgestattet sein, muss der Fahrer die Geräusche aktiv per Schalter freigeben, um zu verhindern, dass unnötige Geräusche während der Fahrt entstehen. Dem Bericht zufolge wird davon ausgegangen, dass die Regelung bald verabschiedet wird.

2026-02-23T09:49:19Z