Ein Unfall mit einem Auto ist oft schon stressig und teuer genug. Doch für Fahrer*innen von Elektroautos kommt inzwischen ein weiteres Risiko hinzu: der Abschleppdienst. Dabei können die Kosten in einigen Fällen sogar den Restwert des Unfallautos übersteigen – und das, obwohl viele der Maßnahmen technisch gesehen offenbar gar nicht nötig waren.
Der Spiegel schilderte kürzlich einen Fall, bei dem ein Fahrer nach einem Auffahrunfall mehr als 20.000 Euro zahlen sollte. Denn die Abschleppfirma deklarierte das Fahrzeug kurzerhand als „heikles Gefahrgut“, setzte ein spezielles Bergungsfahrzeug ein und zog einen Batterieexperten hinzu. Zusätzlich lagerte der Betrieb den Akku eine Woche in Quarantäne, was alleine schon 2.450 Euro netto kosten sollte.
Solche Fälle bleiben bundesweit keine Ausnahmen. „Dabei fiel auf, dass Abschleppkosten und Quarantäne-Zeiten bei verunfallten Elektroautos teils sehr hoch waren. Technische Begründungen konnten dafür nur in wenigen Fällen erkannt werden. Regelmäßig kam es bspw. vor, dass Abschlepper Fahrzeuge auf ihr eigenes Gelände schleppten und danach eine Herausgabe wegen nicht näher belegter Sicherheitsbedenken verweigerten. Richtig wäre der Transport in eine Fachwerkstatt gewesen“, schreibt etwa die Allianz Versicherungs AG in einer Mitteilung. Rainer Kühl vom Kraftfahrzeugtechnischen Institut (KTI) sieht darin ein klares Muster und erklärt gegenüber dem Spiegel, dass Unfallwägen pauschal als gefährlich eingestuft werden würden, um teure Prozesse zu rechtfertigen.
Dabei halten die Akkus vieler Elektroautos offenbar mehr aus als gedacht. Das KTI untersuchte dafür zusammen mit dem Fraunhofer-Institut beschädigte Batterien per Computertomografie, wie Kühl dem Spiegel berichtete. Dabei kam heraus, dass selbst nach schweren Kollisionen die Energiespeicher im Normalzustand blieben.
Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft spricht zudem von einer „verzerrten Wahrnehmung“. Denn in den Statistiken gebe es keine Hinweise auf ein höheres Brandrisiko bei Stromern. Trotzdem scheinen manche Abschleppbetriebe die Angst vor Batteriebränden als Geschäftsmodell zu nutzen.
Versicherungen begleichen zwar viele der Rechnungen zunächst, doch langfristig könnten dadurch die Prämien steigen. Expert*innen raten daher zu Vorsicht nach einem Unfall. Autofahrer*innen sollten ihre Versicherung sofort informieren und keine überteuerten Maßnahmen vorschnell akzeptieren. Seriöse Anbieter erkenne man im Zweifel daran, dass sie Kosten transparent nennen und sich an die Vorgaben des Verband der Automobilindustrie e. (VDA) halten.
Quelle: Spiegel, Allianz Versicherungs AG
2026-03-03T16:03:28Z