Brüssel greift durch
In Amerika sind sie Legenden, in Europa wohl bald Geschichte: Mächtige Pick-ups verschwinden von unseren Straßen. Die EU-Kommission schließt die Gesetzeslücken, die den Import der PS-Giganten bisher erlaubten.
Bisher nutzten Importeure einen Kniff: die Einzelgenehmigung. Damit erhielten auch solche Wagen die Zulassung, die eigentlich an europäischen Standards scheiterten. Ab 2027 ist damit Schluss. Brüssel will das Schlupfloch stopfen und strengere Sicherheit erzwingen.
Verkehrs- und Umweltorganisationen wie "Transport & Environment" drängen auf das Verbot. Ihr Hauptargument: Die hohen Fronten lassen Kinder einfach aus dem Sichtfeld verschwinden. Wer klein ist, wird für den Fahrer unsichtbar, vor allem beim Abbiegen oder im Gedränge der Stadt. Kommt es zum Unfall, treffen die schweren Massen die meist ungeschützten Körper der Kinder mit voller Wucht.
Auch der TÜV-Verband warnt: Insassen schwerer Fahrzeuge sind zwar besser geschützt, doch für Unfallgegner steigt das Risiko schwerster Verletzungen. Das trifft auch Fahrer kleinerer Autos.
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Jenseits des Atlantiks löst dieser Vorstoß neue Verärgerung aus. Hersteller und Lobbyisten werfen der EU vor, das Handelsabkommen von 2025 zu brechen. Damals einigten sich beide Seiten darauf, Zölle zu senken und den Handel zu erleichtern.
Zwar tastet die EU die Zölle nicht an, doch die US-Industrie sieht in den technischen Hürden eine versteckte Blockade. Wer die Zulassung bürokratisch unmöglich macht, bricht aus Sicht der Amerikaner den Geist des Vertrags.
Im Jahr 2023 waren SUV und Geländewagen an fast jedem fünften Unfall mit Verletzten oder Toten beteiligt. Wie groß der Einfluss der Motorhaubenhöhe dabei ist, ist bisher allerdings nicht statistisch belegt.
Für die breite Masse der Autofahrer ändert sich wenig, für Spezialisten alles. Im Jahr 2024 rollten rund 7.000 dieser schweren SUV und Pick-ups per Einzelgenehmigung auf europäischen Straßen. Ein kleiner Markt, der vor allem von freien Importeuren und Liebhabern lebt. Erfüllen die Fahrzeuge die regulären EU-Normen künftig nicht, steht dieses Geschäft vor dem Aus. Für den Pick-up wird es eng – nicht nur in der Parklücke.